Der Animationsfilm Rango aus dem Jahre 2011 ist eine Hommage an klassische Spaghettiwestern. Statt Menschen sind fast alle Charaktere anthropomorphe Tiere, die in der Stadt Dreck (im Original: Dirt) in der Wüste Nevadas leben. Als die wichtigste Ressource, Wasser, knapp wird, erscheint ein Fremder, der sich selbst Rango nennt, in der Stadt und wird bald darauf zum neuen Sheriff ernannt.

Rango sichert zu, er werde dem Mysterium des verschwundenen Wassers auf den Grund gehen. Was den Bürgern von Dreck nicht klar ist: Rango ist ein in der Wüste gestrandetes, domestiziertes Chamäleon mit einer Liebe zum Theater, das nun die Rolle seines Lebens spielt.

Für einen allerersten Eindruck des Films gibt es es hier die beiden deutschen Trailer:

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Rango ist auf DVD, Blu-ray und Video on Demand bzw. Stream zum Kaufen oder Leihen bei Amazon erhältlich. Bei der Leihversion von Amazon Prime Video ist aber Vorsicht und sorgfältige Überlegung geboten, denn man muss sich vorher zwischen Originalsprache/Englisch und der deutschsprachigen Fassung entscheiden, was angesichts der hochkarätigen Sprecher des Originals selbst für all jene, die sonst nicht zwingend auf den O-Ton schwören, keine leichte Entscheidung sein dürfte.

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Zuletzt aktualisiert am 24.09.2017
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Zuletzt aktualisiert am 24.09.2017

Hanldung von Rango

Ein plötzliches Ausweichmanöver auf einem Highway in Nevada und das Leben eines Chamäleons (Johnny Depp/David Nathan) gerät von jetzt auf gleich aus den Fugen. Gerade spielte es noch in seinem Terrarium großes Theater mit seinen Mitbewohnern, dem Torso und linken Arm einer Barbiepuppe, einem Plastikfisch und einer toten Grille, da fliegt es plötzlich über die Straße, wird von einem Auto zum nächsten geschleudert und findet sich nach einer Weile mit dem Verursacher des ganzen Chaos auf dem Asphalt wieder. Das greise Gürteltier Roadkill (Alfred Molina/Klaus Sonnenschein) erbittet die Hilfe des Chamäleons, denn Roadkill ist trotz des Ausweichmanövers im wahrsten Sinne des Wortes ganz schön geplättet. Gemeinsam verlassen die beiden die Straße und Roadkill weist dem Chamäleon den Weg in die nächste Stadt, eine Siedlung namens Dreck, und erzählt dabei auch vom Geist der Wüste, der auf der anderen Straßenseite anzutreffen sei und dem orientierungslosen Reptil seine Bestimmung offenbaren könne.

Da die erste Priorität des Chamäleons derzeit aber vor allem dem Auffinden von Wasser gilt, zieht es durch die Mojave-Wüste in Richtung Dreck.

Auf dem Weg dahin entkommt es nur mit Mühe und Not einem Habicht und trifft dann auf Fräulein Bohne (im englischen Original: Beans; Isla Fisher/Angela Wiederhut), die so heißt, weil ihr Vater, der sich als Bergarbeiter im betrunkenen Zustand selbst in die Luft gejagt hat, Bohnen mochte. Bohne ist ein Wüstenleguan mit dem sonderbaren „Überlebensmechanismus“, plötzlich zu erstarren, was sie auch gerne während eines Gesprächs tut. Nachdem Bohne den Fremden zunächst mit einem Gewehr bedroht hat, zeigt sie sich äußerst hilfsbereit und nimmt das Chamäleon auf ihrem Wagen mit zur Stadt. Von Bohne erfährt das Chamäleon, dass sie eine der letzten Farmen im Umkreis von Dreck habe, denn das Wasser werde immer knapper und viele würden ihr Land verkaufen und die Gegend verlassen.

Wie knapp Wasser ist, merkt das Chamäleon im Saloon der Wild-West-Stadt, denn als es hier Wasser bestellt, lachen ihn sämtlich Gäste aus und der Barkeeper erklärt, es gäbe nur Kaktusschnaps. Bei einem Glas der Spirituose kommt dem Chamäleon eine Idee: Niemand hier kennt es. Es kann sein, wer immer es will. So gibt es sich inspiriert von der Aufschrift der Kaktusschnapsflasche den Namen „Rango“ und erfindet wilde Räuberpistolen über seine Abenteuer als furchtloser Revolverheld.

Doch als wenig später der Gangster Böser Bill (Ray Winstone/Marco Kröger), eine Gila-Krustenechse, den Saloon betritt, muss Rango beweisen, dass in ihm wirklich ein Meisterschütze steckt. Der Habicht, der Rango bereits in der Wüste gejagt hat, attackiert die beiden Duellanten und Rango gelingt es, den Habicht mit einem Schuss und weit mehr Glück als Verstand unter dem ohnehin leeren Wasserturm zu begraben, der nun in Trümmern liegt.

Diese Heldentat bringt Rango ein Treffen mit dem Bürgermeister, einer Kalifornischen Gopherschildkröte namens John (Ned Beatty/Otto Mellies), ein, der Rango kurzum zum Sheriff ernennt.
Rangos erster Fall lässt nicht lange auf sich warten: Anders als an jedem anderen Mittwoch bleibt das Wasser aus, was für gewöhnlich aus einem Hahn kommt, der von den Bewohnern von Dreck einer Gottheit gleich angebetet wird. Bohne rutscht entsetzt ein Geheimnis heraus, was ihr vom Bankdirektor Merrimack (Stephen Root/Frank-Otto Schenk) anvertraut wurde: Im Tresor von Drecks Bank, in dem nicht Geld, sondern Wasser gelagert wird, ist kaum noch Wasser übrig. Es kommt zu einem Tumult, den Rango löst, indem er klarstellt, dass ja noch Wasser für vier Tage übrig wäre und man deshalb noch genug Zeit hätte, dem Geheimnis des Wassernotstands auf den Grund zu gehen. Die Bewohner von Dreck sollten die Hoffnung nicht aufgeben. Bürgermeister John pflichtet dem Sheriff bei und so sind zunächst alle beruhigt.

Doch am nächsten Morgen wurde die Bank ausgeraubt. Dass Rango den Räubern, dem Maulwurf Balthazar (Harry Dean Stanton/Rolf Zacher) und seiner Sippe von Präriehunden, noch begegnete, ihnen fachmännisches Arbeitsgerät besorgte und eine Bergbaugenehmigung ausstellte, erfährt zum Glück keiner von Drecks Bürgern. So stellt Rango nun einen Suchtrupp zusammen, um das Wasser wiederzubeschaffen. Zwar finden Rango, Bohne und ihre Gefährten nach langer Suche die Leiche von Merrimack und später sogar Balthazar und die Präriehunde, doch wissen die nichts vom Tod des Bankdirektors. Als dann der Wasserbehälter endlich zurückerbeutet worden ist, stellt sich heraus, dass er leer ist. Wieder zurück in Dreck beginnt Rango, dem wahren Schuldigen hinter der Wasserknappheit langsam auf die Schliche zu kommen:

Bürgermeister John kaufte nämlich all die ertraglos gewordenen Farmen und Ländereien auf, als viele Bürger Drecks die Stadt ihrer Existenz beraubt verließen. Rango fängt an, John lästig zu werden, und so ruft dieser den Gangster Klapperschlangen Jake (Bill Nighy/Michael Kessler) nach Dreck, um den Sheriff loszuwerden.

Der berüchtigte Gangster kommt über Dreck wie ein Sturm und fordert Rango offen heraus, nur um ihn vor der ganzen Stadt bloßzustellen und zu enttarnen. Geknickt zieht Rango von dannen, während Balthazar und seine Ziehsöhne der Galgen erwartet.

Rango erreicht am Ende wieder den Highway und überquert ihn wie in Trance, ehe er zusammenbricht und das Bewusstsein verliert. Als Rango wieder zu sich kommt, erblickt er fünf goldene Trophäen in einem Golfwagen, welcher dem Geist des Westens (Timothy Olyphant/Erich Räuker) gehört. Jener macht Rango Mut und bringt ihn schließlich dazu, seine Mission zu erfüllen.
Rango findet heraus, dass das Wasser, was bislang Dreck versorgte, aus einer Leitung nach Las Vegas stammt und der Bürgermeister den Zugang nach Dreck abdrehen ließ. Mit den noch freien Präriehunden und Roadkill macht Rango sich zurück nach Richtung Dreck auf und fordert dort Jake zum finalen Duell.

Produktion von Rango

„Rango“ ist der erste Animationsfilm aus der Special-Effects-Schmiede Industrial Lights & Magic (ILM), welche ursprünglich von George Lucas zur Realisierung von „Star Wars“ gegründet wurde und seither seine Position als wichtigste Spezialeffektfirma von ganz Hollywood ohne Weiteres behaupten konnte. Das sieht man „Rango“ auch an, denn die Animationen haben fotorealistische Texturen und wirken trotz des cartoonhaften Looks vieler Charaktere unglaublich lebensecht. Da alle Figuren außer dem an Clint Eastwood angelehnten Geist des Westens keine Menschen, sondern anthropomorphe Tiere sind, wird das Uncanny Valley problemlos umgangen. Das Design der Charaktere ist zudem einmalig und spricht oft eine sehr ausdrucksstarke Bildsprache. Rango etwa wirkt durch den geknickten Hals und seine dürre Gestalt stets deplatziert. Man sieht ihn und denkt unweigerlich, dass er nicht ins Bild passt. Klapperschlangen Jake hingegen ist zwar primär Lee Van Cleef nachempfunden, hat aber auch wahrlich dämonische Züge. So sehen seine Augen unbestreitbar aus wie das Auge Saurons in „Der Herr der Ringe“. Wobei das wohl coolste Detail an Jakes Design seine Schwanzspitze ist, an der sich statt der für Klapperschlangen typischen Rassel mehrere Revolvertrommeln befinden.

Da Gore Verbinski bereits mit Depp und Nighy an „Pirates of the Caribbean“ gearbeitet hatte, überrascht es wenig, dass er zwei der talentiertesten Schauspieler unserer Zeit nicht in Tonstudios sperrte und ihren Text aufsagen ließ. Stattdessen wurden alle Szenen aus Rango mit den Schauspielern in einem Studio gefilmt. Während die Tonaufnahmen es in die englische Sprachfassung des Films schafften, dienten die Videoaufnahmen den Animatoren als Referenzmaterial. Depp sagte hierzu, es sei kein Motion Capture (bzw. Performance Capture) sondern Emotion Capture.

So erkennt man in Rangos Gestik und Mimik selbst in der deutschen Sprachausgabe ganz klar Johnny Depp wieder, wobei Rango mit David Nathan auch Depps Stammsprecher als deutsche Stimme erhielt. Das gilt leider nicht für die übrigen Charaktere. Statt von Frank Glaubrecht, Bodo Wolf oder Hans-Jürgen Dittberner, deren Stimmen man mit Nighy verbindet, wird Klapperschlangen Jake von Comedian Michael Kessler gesprochen. Kessler macht seine Sache durchaus gut, aber einer von Nighys Stammsprechern wäre halt schöner gewesen, obgleich auch von ihnen keiner das Original ersetzen kann. Die anderen Darsteller haben zwar keine so markanten Stimmen, doch gehen auch Akzente und dergleichen durch in der deutschen Fassung verloren. Das bedeutet keineswegs, dass die deutsche Synchronfassung schlecht wäre. Sie ist im Vergleich zu vielen anderen aktuellen Filmen sogar ausgesprochen gut.

Inhaltlich sehen viele starke Parallelen zu „Chinatown“ in der Handlung des Films. Doch schafft „Rango“ darüber hinaus, eine überaus aktuelle Thematik aufzugreifen. Schließlich wird derzeit tatsächlich darüber verhandelt, die Trinkwasserversorgung zu privatisieren, wofür sich große Lebensmittelkonzerne wie etwa Nestle verstärkt einsetzen. „Rango“ verdeutlicht, wie wichtig Wasser als Lebensgrundlage ist und dass bei einer Privatisierung die Kontrolle über das Wasser in den Händen von Einzelpersonen läge, denen ungeheure Macht zuteilwürde, denn: „Wer das Wasser kontrolliert, der kontrolliert die ganze Welt.“ (Bürgermeister John).

„Rango“ ist also ein unglaublich vielschichtiger Film, der Komödie, Parodie, Western und Ökodrama vereint und zudem visuell beeindruckt. Da wundert es eigentlich, dass der Film trotz des Einspielergebnisses von 222,5 Millionen US-Dollar (Produktionskosten: 135 Millionen US-Dollar) bislang kein Sequel bekam, obwohl die Fan-Gemeinde sich eins wünscht. Verbinski arbeitete nach „Rango“ für „Lone Ranger“ ein weiteres Mal mit Johnny Depp zusammen und man könnte fast fürchten, dass er Depp Tim Burton ausspannen will. Depp war anders als Verbinski nach „Rango“ aber überaus beschäftigt, wenn auch die meisten seiner Filme seit 2011 ziemliche Flops waren. Da Johnny Depp derzeit kein Erfolgsgarant in Hollywood mehr ist und privat auch so einige Probleme hatte, scheint eine mögliche Fortsetzung von „Rango“ eher unwahrscheinlich. Da wir in den letzten Jahren aber zahlreiche Sequels von Filmen, die bis zu 20 Jahre alt waren, zu sehen bekamen, sollte man „Rango 2“ auch nicht gänzlich ausschließen.